Der Lippenstifft feiert seinen
125jährigen Geburtstag
„Deshalb soll auch jede Frau mit dem Tode bestraft werden, die ihr Gesicht schminkt, um schön zu wirken“. So schrieb der italienische Dominikanermönch und Philosoph Tommaso Campanella in seiner Utopie „der Sonnenstaat.“
Nun ja, das war 1623 und der arme Tommaso sass gerade im Gefängnis (obwohl vermutlich da kein Zusammenhang besteht).
40 Jahre zuvor hätte Campanellas Statement Queen Elisabeth I kaum gestört, trug sie doch als erste Frau ein komplettes Make-up: weiss gepudertes Gesicht, rote Wangen und sehr betonte Lippen. Und wenn sie auch ihre Kusine Mary Queen of Scots hinrichten liess, so hatte das nun wirklich andere Gründe.

Photo Clara Natoli, Roma
Doch auch 250 Jahre später hatten es die Frauen noch immer schwer mit ihrem Wunsch nach Make-up. 1860 erklärte Königin Victoria von England kurz und knapp, dass Make-up unhöfisch sei - wie bekanntlich so vieles andere auch -. So überliessen, wohl oder übel, die Damen der feinen Gesellschaft die Kunst der Lippenbemalung den Damen des eher leichten Gewerbes, Schauspielerinnen und … man höre und staune, Frauenrechtlerinnen.
Das wiederum störte zwei Pariser Parfumeure nicht als sie 1883 an der Weltausstellung in Amsterdam den ersten „Stylo d’amour“ präsentierten.
Die Geburtsstunde des Lippenstifts; ein kleines, in Seidenpapier gewickeltes „Würstchen“, das zwar die Lippen wunderbar rot färbte aber auch unverschämt teuer war, umgerechnet zu heute etwa 50 Euro.
Sein Siegeszug um die Welt konnte nichts mehr aufhalten. Guerlin produzierte schon ab 1910 Lippenstifte für eine meist adlige Kundschaft (in Frankreich war man scheinbar ein bisschen frivoler als in Engeland). Die berühmte Schauspielerin Sarah Bernhardt stellte sich sogar für Werbezwecke zur Verfügung und die Suffragetten benutzen ihn als Symbol zum Kampf für das Frauenstimmrecht (doch, doch). Stummfilmstars wie Theda Bara oder Clara Bow machten ihn dann endgültig salonfähig.
Die Firma Revlon kreiert 1939 den berühmten Klassiker „Revlon Red“ und, zum ersten Mal, einen passenden Nagellack in der gleichen Farbe: „Matching finger- und lip tints“. Die praktisch veranlagten Amerikaner erfanden 1948 die Dreh-Mechanik, anhand welcher der Lippenstift in einer Hülse rauf- und runtergedreht werden kann. Den Lip-Pen mit Pinsel gab’s ab 1989 dank Dior und L’Oréal. Und schliesslich gibt es seit kurzem auch den Anti-aging Lippenstift und eine “Bio”-Ausgabe. Dem Vortschritt sind keine Grenzen gesetzt.
Ob flashy, dezent, glamourös, kussecht oder „nude-look“, der Lippenstift liegt nach wie vor im Trend und gehört zum meist verwendeten Kosmetikprodukt. Über 80 % aller Frauen von 20 bis 60 Jahren benutzen ihn, und das wird wohl auch so bleiben.
Also dann…Happy birthday.
LACRÈM Swisscosmetics - H. Stampfli
Die Galeries Lafayette Berlin feierte das Lippenstift-Jubiläum mit einer einzigartigen Ausstellung von Lippenstiften aus der persönlichen Sammlung des Berliner Starvisagisten René Koch.
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